Meister auf die Hochschulbank - wie das praktisch aussehen kann, demonstriert die Hochschule Aalen in einem Pilotprojekt, das jetzt prämiert wird.
Im Kampf gegen den Ingenieurmangel geht die Hochschule Aalen einen neuen Weg: Meister und Facharbeiter ohne Hochschulreife studieren seit einem Jahr parallel zum Beruf Maschinenbau. Für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist das eine nachahmenswerte Innovation: Er zeichnet es heute gemeinsam mit der Otto-Wolff-Stiftung mit dem Initiativpreis Aus- und Weiterbildung aus. "Mit dem Pilotprojekt machen wir ein Angebot für eine Zielgruppe, die bisher leer ausging", erläutert Ulrich Schmitt von der Hochschule das von ihm erarbeitete Konzept. Es orientiert sich an der Nachfrage der regionalen Industrie in Baden-Württemberg: Sie braucht dringend Ingenieure, findet sie aber nicht auf dem normalen Arbeitsmarkt. Die 25 Meister und Techniker, die im ersten Jahrgang 2009 starteten, haben vier schwere Jahre vor sich. Denn sie behalten ihren normalen Arbeitsplatz und studieren parallel an zwei Werktagen abends sowie an Samstagen. Mit Rücksicht auf die Familien orientieren sich die zehnwöchigen Module nicht an den Semester-, sondern an den Schulferien. Im ersten Jahr pauken alle die Inhalte eines normalen Maschinenbaustudiums; danach teilt sich die Gruppe in Maschinenbauer und Mechatroniker. Nach vier Jahren winkt der Abschluss als Bachelor, wobei die Aalener damit liebäugeln, zum "Diplom-Ingenieur" zurückzukehren.
Südwestmetall und die IHK Ostwürttemberg unterstützen das Projekt ebenso manche Arbeitgeber, die einen Teil der Studiengebühren übernehmen. Die Hochschulrektorenkonferenz hat das Pilotprojekt allen Fachhochschulen als nachahmenswert empfohlen. Die Hochschule Aalen gehe mit gutem Beispiel voran, lobt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Hochschulen müssen sich stärker auf Studienbewerber mit Berufserfahrung einstellen." Deshalb seien berufsbegleitende Studiengänge notwendig.

